| 1/05/2007 02:20:00 PM | Autotranslate to English | Espanol | Francais | Deutsch | ||
Putzen/talking boasting
Putzen, ich gestehe es, tue ich ebenso selten wie, wenn denn dann, leidenschaftlich gerne. Vorzugsweise wenn ich krank – wie augenblicklich – und halb genesen oder, wenn gesund, aus anderen Gründen schlechter Stimmung bin: dann ist Putzen fast ein Allheilmittel. Mit Putzen meine ich jetzt nicht dieses mal hier mal dort rasch wischen saugen scheuern – nein, mit Putzen meine ich den konzentrierten Totalangriff auf jederlei Unrat, die auf absolute Sauberkeit zielende Zangenbewegung von Staubsauger und Wischeimer, den invesitgativen Zugriff auf noch die letzte Ritze in der hintersten Ecke – Gott, habe ich das geschrieben: investigativ? Kaum zu glauben!... (mehr)
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Nun, putzen bereitet sich in meinem Inneren schon allmählich vor. Sagen wir, ich sitze in der Küche und beginne fiese Bemerkungen über den Hygienezustand derselben mir auszudenken. Nicht laut zu sagen, vorerst! Es fallen mir allerlei Details auf. Brotkrumen um die Brotmaschine herum. Daß die Fliesen über dem Spülstein nicht mehr glänzen. Und, oha, das Fenster wie mit einem Ölfilm überzogen. Dann beginne ich den Boden zu mustern. Schlieren, vermutlich, ich habe wieder einmal meine Brille nicht auf und kann nur raten. Die Wände, Decken. Emsige Spinnen lindern die scharfen Kanten nach allen Richtungen. Was liegt dort schon wieder in der Deckenlampe? Und die Kochbücher – vermutlich ergäben sie, in wässriger Lösung, eine wohlschmeckende Bouillon.
Das hebt meine Stimmung natürlich nicht. Ich schaue immer zorniger aus den Augen, man kennt das und wird aufmerksam, wittert eine billige Putzkraft, nicht mehr zu bremsende Einsatzwilligkeit im Auftrag einwandfreier Sauberkeit. Die Stimmung dort also hebt sich. Lustige Bemerkungen über die bekannten Schwachstellen in unserer Hygiene umkreisen mich, wie absichtslos dahin gesagt. Meine Stimmung sinkt weiter. Mein Blick wird zum Tunnelblick, wohin ich auch sehe: Dreck, Verderben, Schimmel, Staub und Unrat!
Gut, so gegen 9pm bin ich weich gekocht. Ich werde jetzt sauber machen. Meine konsensbereiten Augen stählen sich, fokussieren das Ziel, mein Rücken strafft sich, meine Hände jucken in Erwartung des Kommenden. Um mich herum ist es leer geworden, ungehindert also kann ich ans Werk gehen. Und ich gehe!
Meine Methode ist recht simpel.
Teil 1 - Aus dem sauber zu machenden Raum nach und nach alles entfernen, was ich tragen kann. Dieses draußen auf dem Flur aufstapeln, dabei schon einmal mit einem Staubtuch die gröbsten Flusen, den leichteren Dreckbelag beseitigen. So, jetzt ist der Raum fast leer bis auf die schwereren Möbel und Geräte. Die werden jetzt unter lautem Stöhnen und Schimpfen von den Wänden gerückt. Erstaunlich, welche Kräfte doch auch in einer schwachen Person wie mir schlummern, wenn Teufel Dreck sein garstig Haupt erhebt. Nun die übliche schwierige Entscheidung: gleich ohne Rücksicht auf Düsen, Luftwege und Staubauffangbeutel mit dem Staubsauger in medias res, oder erst mit Besen und Kehrblech mühsam die Staubwolken einfangen? Wie zumeist siegt der Lockruf der modernen Technik. Später kann ich ja dann immer noch zu kulturkritischen Bemerkungen über die Unfähigkeit moderner Ingenieurskunst gelangen, sowohl funktionsfähige als auch pflegbare Haushaltsgeräte zu entwickeln. Nun, der Sauger arbeitet zuverlässig, ach wie schön das Geräusch festerer Dreckpartikel, wenn sie deutlich hörbar von dem Unterdruck erfaßt ihr widerliches Leben im Ansaugrohr aushauchen. Dann noch mit dem langen Rohr die Spinnweben – mit schlechtem Gewissen, die armen Spinnen, aber egal, hätten ja Kakerlaken werden können oder Bankdirektoren, aber so sind sie nun einmal Spinnen geworden und werden als solche: - weggesaugt!
Teil 2 - Wasser und Lappen und Tuch her und Fenster, Schränke und Geräte sauber machen. Der unangenehmste Teil, denn aus mir unerfindlichen Gründen sind die Oberflächen, die am meisten Kochdünsten und Staubattacken ausgesetzt sind, zugleich stets die empfindlichsten, so daß dort minutenlanges Polieren und feines Abtupfen angesagt ist. Glas dagegen läßt sich wunderbar grob angreifen. Nochmals trocken hinterher, und schon belohnt ein erster Eindruck sicht- und riechbarer Sauberkeit mein belohnungs-bedürftiges Gemüt.
Teil 3 – die Regale mit den Kochbüchern, Büchern, Zetteln, Schlüsseln, Schachteln, dem Küchenradio, den Büchern, den Zeitschriften, den Papiertaschentuchpackungen, den Büchern, dem kaputten Küchenradio, das einmal repariert werden soll, den Zeitschriften, den Büchern, den wichtigen Notizen, den Mützen(?), den Zeitschriften, den diversen Dingen. Nur Menschen mit dem Zeithorizont einer Eintagsfliege können der Idee, ein offenes Regal in einer Küche aufzuschlagen, etwas Sinnvolles abgewinnen. Ich packe nach und nach den ganzen Krempel auf den Tisch, wische brav alles ab, sortiere aus, was nicht hierher gehört, wische die Regalböden ab, und packe wieder hinein, was hierher gehört, was nicht hierher gehört, was einfach bereits da war und deswegen hierher gehört, was schön aussieht, wenn es im Regal liegt und darauf wartet, einmal in die Hand genommen zu werden. Anschließend wische ich die leere Tischplatte sauber.
Teil 4 – die Fliesen wienern. Macht Spaß, obwohl es anstrengend ist. Sie glänzen so schön, spiegeln mir ihr aufrichtiges Lob gerne und bereitwillig entgegen. Hach, wie schön. Gut, rund um den Wasserhahn ist es schwierig, immer stoße ich mir die Fingergelenke an. Und über dem Herd ist der Film aus Fett und Dreck wirklich tapfer. Aber ich bin tapferer, und die Chemie, ich gestehe es, hilft auch ein wenig. Aber anschließend sieht es dann auch perfekt aus.
Teil 5 – die Spüle. Grundreinigung mit einer Art Putzwolle, aber aus irgendeiner modernen Raumfahrtfaser vom Pluto oder wie der jetzt auch immer heißt, die kratzt, ohne zu kratzen, naja, auf jeden Fall eine anstrengende, aber auch sehr befriedigende Tätigkeit. Dann mit Scheuermilch und weichem Lappen nochmal den Endschliff besorgt. Und endlich mit Wasser nachgespült und mit einem Küchenhandtuch auf Hochglanz gebracht. Wow!
Teil 6 – der Fußboden. Sozusagen nach der Kür die Pflicht. Vorwischen – warten – Hauptwischen – warten – Nachwischen – staunen schwitzen warten ärgern, vergessen zu haben, das Fenster auf zu machen, über den feuchten Boden mit Strümpfen laufen und es noch öffnen, betreten die Fußstapfen auf dem feuchten Boden betrachten kurz überlegen, ob nochmal nachwischen, sich dagegen entscheiden und mal rasch zum Klo bis alles trocken ist.
Teil 7 - das Finale: das Einräumen. Seltsam, aber plötzlich sind auch wieder andere Menschen im Haus zu hören, freundliche Gesichter, hilfsbereite Hände, die gerne mit anfassen, wenn ein Möbelstück zu schwer erscheint, aber nicht doch, Mädchen, überheb dich nicht, lustiges aufmunterndes Zureden, prima Susanne, müßten wir öfters machen, man steckt seine Nase in die Küche, aha, wie wunderbar, von allen Seiten strömt es herbei, das heimtückisch neuen Dreck heckende Volk!
Nun, ja, verschwitzt und erschöpft sinke ich in meiner Stammecke zusammen. Aufgeplustert mit der stolzen Zufriedenheit der Werktätigen nehme ich gelassen die Ehrungen meiner Umwelt in Form eines eigens für mich rasch aufgebrühten Tees, aufgeschnittenen Obstes oder geöffneter Fischdose samt Brotbeilage in Empfang. Weiteres Brot wird geschnitten, ich sehe sehr wohl die Krümel, die eifrig sich über die frisch gesäuberte Fläche verbreiten. Ich ahne, wie der Wasserdampf aus dem immer wieder neu gefüllten Wasserkocher sich bereits wieder auf die Fliesen legt. Und wie winzig kleine Dinge fast unbemerkt vom Tisch zu Boden fallen.
Aber egal. Es ist Mitternacht, ich sitze in meiner Ecke, schlürfe meinen Tee und fühle mich unangreifbar und wichtig. Und sauber.
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Nun, putzen bereitet sich in meinem Inneren schon allmählich vor. Sagen wir, ich sitze in der Küche und beginne fiese Bemerkungen über den Hygienezustand derselben mir auszudenken. Nicht laut zu sagen, vorerst! Es fallen mir allerlei Details auf. Brotkrumen um die Brotmaschine herum. Daß die Fliesen über dem Spülstein nicht mehr glänzen. Und, oha, das Fenster wie mit einem Ölfilm überzogen. Dann beginne ich den Boden zu mustern. Schlieren, vermutlich, ich habe wieder einmal meine Brille nicht auf und kann nur raten. Die Wände, Decken. Emsige Spinnen lindern die scharfen Kanten nach allen Richtungen. Was liegt dort schon wieder in der Deckenlampe? Und die Kochbücher – vermutlich ergäben sie, in wässriger Lösung, eine wohlschmeckende Bouillon.
Das hebt meine Stimmung natürlich nicht. Ich schaue immer zorniger aus den Augen, man kennt das und wird aufmerksam, wittert eine billige Putzkraft, nicht mehr zu bremsende Einsatzwilligkeit im Auftrag einwandfreier Sauberkeit. Die Stimmung dort also hebt sich. Lustige Bemerkungen über die bekannten Schwachstellen in unserer Hygiene umkreisen mich, wie absichtslos dahin gesagt. Meine Stimmung sinkt weiter. Mein Blick wird zum Tunnelblick, wohin ich auch sehe: Dreck, Verderben, Schimmel, Staub und Unrat!
Gut, so gegen 9pm bin ich weich gekocht. Ich werde jetzt sauber machen. Meine konsensbereiten Augen stählen sich, fokussieren das Ziel, mein Rücken strafft sich, meine Hände jucken in Erwartung des Kommenden. Um mich herum ist es leer geworden, ungehindert also kann ich ans Werk gehen. Und ich gehe!
Meine Methode ist recht simpel.
Teil 1 - Aus dem sauber zu machenden Raum nach und nach alles entfernen, was ich tragen kann. Dieses draußen auf dem Flur aufstapeln, dabei schon einmal mit einem Staubtuch die gröbsten Flusen, den leichteren Dreckbelag beseitigen. So, jetzt ist der Raum fast leer bis auf die schwereren Möbel und Geräte. Die werden jetzt unter lautem Stöhnen und Schimpfen von den Wänden gerückt. Erstaunlich, welche Kräfte doch auch in einer schwachen Person wie mir schlummern, wenn Teufel Dreck sein garstig Haupt erhebt. Nun die übliche schwierige Entscheidung: gleich ohne Rücksicht auf Düsen, Luftwege und Staubauffangbeutel mit dem Staubsauger in medias res, oder erst mit Besen und Kehrblech mühsam die Staubwolken einfangen? Wie zumeist siegt der Lockruf der modernen Technik. Später kann ich ja dann immer noch zu kulturkritischen Bemerkungen über die Unfähigkeit moderner Ingenieurskunst gelangen, sowohl funktionsfähige als auch pflegbare Haushaltsgeräte zu entwickeln. Nun, der Sauger arbeitet zuverlässig, ach wie schön das Geräusch festerer Dreckpartikel, wenn sie deutlich hörbar von dem Unterdruck erfaßt ihr widerliches Leben im Ansaugrohr aushauchen. Dann noch mit dem langen Rohr die Spinnweben – mit schlechtem Gewissen, die armen Spinnen, aber egal, hätten ja Kakerlaken werden können oder Bankdirektoren, aber so sind sie nun einmal Spinnen geworden und werden als solche: - weggesaugt!
Teil 2 - Wasser und Lappen und Tuch her und Fenster, Schränke und Geräte sauber machen. Der unangenehmste Teil, denn aus mir unerfindlichen Gründen sind die Oberflächen, die am meisten Kochdünsten und Staubattacken ausgesetzt sind, zugleich stets die empfindlichsten, so daß dort minutenlanges Polieren und feines Abtupfen angesagt ist. Glas dagegen läßt sich wunderbar grob angreifen. Nochmals trocken hinterher, und schon belohnt ein erster Eindruck sicht- und riechbarer Sauberkeit mein belohnungs-bedürftiges Gemüt.
Teil 3 – die Regale mit den Kochbüchern, Büchern, Zetteln, Schlüsseln, Schachteln, dem Küchenradio, den Büchern, den Zeitschriften, den Papiertaschentuchpackungen, den Büchern, dem kaputten Küchenradio, das einmal repariert werden soll, den Zeitschriften, den Büchern, den wichtigen Notizen, den Mützen(?), den Zeitschriften, den diversen Dingen. Nur Menschen mit dem Zeithorizont einer Eintagsfliege können der Idee, ein offenes Regal in einer Küche aufzuschlagen, etwas Sinnvolles abgewinnen. Ich packe nach und nach den ganzen Krempel auf den Tisch, wische brav alles ab, sortiere aus, was nicht hierher gehört, wische die Regalböden ab, und packe wieder hinein, was hierher gehört, was nicht hierher gehört, was einfach bereits da war und deswegen hierher gehört, was schön aussieht, wenn es im Regal liegt und darauf wartet, einmal in die Hand genommen zu werden. Anschließend wische ich die leere Tischplatte sauber.
Teil 4 – die Fliesen wienern. Macht Spaß, obwohl es anstrengend ist. Sie glänzen so schön, spiegeln mir ihr aufrichtiges Lob gerne und bereitwillig entgegen. Hach, wie schön. Gut, rund um den Wasserhahn ist es schwierig, immer stoße ich mir die Fingergelenke an. Und über dem Herd ist der Film aus Fett und Dreck wirklich tapfer. Aber ich bin tapferer, und die Chemie, ich gestehe es, hilft auch ein wenig. Aber anschließend sieht es dann auch perfekt aus.
Teil 5 – die Spüle. Grundreinigung mit einer Art Putzwolle, aber aus irgendeiner modernen Raumfahrtfaser vom Pluto oder wie der jetzt auch immer heißt, die kratzt, ohne zu kratzen, naja, auf jeden Fall eine anstrengende, aber auch sehr befriedigende Tätigkeit. Dann mit Scheuermilch und weichem Lappen nochmal den Endschliff besorgt. Und endlich mit Wasser nachgespült und mit einem Küchenhandtuch auf Hochglanz gebracht. Wow!
Teil 6 – der Fußboden. Sozusagen nach der Kür die Pflicht. Vorwischen – warten – Hauptwischen – warten – Nachwischen – staunen schwitzen warten ärgern, vergessen zu haben, das Fenster auf zu machen, über den feuchten Boden mit Strümpfen laufen und es noch öffnen, betreten die Fußstapfen auf dem feuchten Boden betrachten kurz überlegen, ob nochmal nachwischen, sich dagegen entscheiden und mal rasch zum Klo bis alles trocken ist.
Teil 7 - das Finale: das Einräumen. Seltsam, aber plötzlich sind auch wieder andere Menschen im Haus zu hören, freundliche Gesichter, hilfsbereite Hände, die gerne mit anfassen, wenn ein Möbelstück zu schwer erscheint, aber nicht doch, Mädchen, überheb dich nicht, lustiges aufmunterndes Zureden, prima Susanne, müßten wir öfters machen, man steckt seine Nase in die Küche, aha, wie wunderbar, von allen Seiten strömt es herbei, das heimtückisch neuen Dreck heckende Volk!
Nun, ja, verschwitzt und erschöpft sinke ich in meiner Stammecke zusammen. Aufgeplustert mit der stolzen Zufriedenheit der Werktätigen nehme ich gelassen die Ehrungen meiner Umwelt in Form eines eigens für mich rasch aufgebrühten Tees, aufgeschnittenen Obstes oder geöffneter Fischdose samt Brotbeilage in Empfang. Weiteres Brot wird geschnitten, ich sehe sehr wohl die Krümel, die eifrig sich über die frisch gesäuberte Fläche verbreiten. Ich ahne, wie der Wasserdampf aus dem immer wieder neu gefüllten Wasserkocher sich bereits wieder auf die Fliesen legt. Und wie winzig kleine Dinge fast unbemerkt vom Tisch zu Boden fallen.
Aber egal. Es ist Mitternacht, ich sitze in meiner Ecke, schlürfe meinen Tee und fühle mich unangreifbar und wichtig. Und sauber.

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