| 4/10/2008 10:12:00 PM | Autotranslate to English | Espanol | Francais | Deutsch | ||
Beschäftigung #4/soap
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Als sie nach Hause kam und der Geruch frischen Tees ihre Nase umschmeichelte, begann sie vage etwas zu argwöhnen. Rasch hängte sie ihren Mantel an die Garderobe, warf ihre Tasche von der Tür aus nachlässig in ihr Zimmer und ging schnurstracks in die Küche. Er stand am Fenster und schaute ihr zögernd entgegen. Mit der übertrieben Freundlichkeit, die sie immer mißtrauisch machen würde. Seine Haare müßten dringend wieder geschnitten werden, dachte sie. Und seine Hose hatte ein paar dunkle Streifen unten am Bein. Er achtete nie darauf. Sie ging zu ihm hin und lehnte sich gegen ihn. Ließ seine langen Arme auf sich wirken und seine leise, weiche Stimme. Wenn sie die Augen schloß, schien alles gut zu sein. Ihr Kopf paßte an seine Brust und sein Kinn wühlte ihr durch die Haare und sein Geruch war frisch und doch wieder nicht frisch. Und beides gefiel ihr. Mit den Händen strich er sanft alle Müdigkeit von ihr ab und sie schaute zu ihm hoch, weich und still, und wartete, was er ihr zu beichten hätte.... (mehr)
"Bist du müde?" fragte er. Das klang zärtlich. Wie gerne hätte sie seine Worte sich als Zärtlichkeit genommen. Sie schüttelte träge den Kopf. Sie war nicht müde, wenn er sie umarmte. Das würde sie niemals sein. "Da steht Tee für dich," sagte er und küßte ihre Stirn. "Danke," lächelte sie zu ihm hinauf. Eifrig suchten seine Augen in ihrem Gesicht nach einer anderen Bedeutung des Wortes. Auch er konnte mißtrauisch sein. Und verletzt. Sie spürte in seinem Leib eine lauernde Unruhe. Nur knapp unter der Haut mußte das sein. Leise beben und darauf warten, daß es hervor kommen könnte. Er straffte sich. Richtete sich auf und schien damit zugleich einen Schritt von ihr Abstand zu nehmen. Sie wurde steif, spürte sofort ein hartes Zerren im Nacken.
"Ich habe einen Wagen gekauft," sagte er. Immerhin ließ er sie nicht lange im Unklaren, wie er das anfangs so gerne getan hatte. Hatte inzwischen gelernt, daß es besser war, ihr die unangenehmen Dinge sofort und direkt um die Ohren zu schlagen. "Oh," gab sie zur Antwort, ging zum Tisch hinüber, setzte sich und legte die Hände um den heißen Becher Tee. "Eine günstige Gelegenheit, nehme ich an," sagte sie im Plauderton. Er nickte nur. Beobachtete sie, wie eine Gewitterwolke, wenn du auf freiem Feld stehst und deine Chancen abwägst. "Ich muß irgendwann ein Praktikum machen," begann er mit den Gründen, die sie akzeptieren würde. "Im Autofahren?" fragte sie sarkastisch. Er lachte schief. "Du kannst nie wissen, wo du einen Platz findest." Von seiner Strategie ließ er sich so schnell nicht abbringen, dachte sie. Immerhin. "Deswegen hast du dir vorsichtshalber schon einmal einen Wagen besorgt." Ihre Stimme klang noch normal. Einfach nur eine Stimme. Aber er kannte sie zu gut. Wechselte sofort die Richtung. "Es war wirklich eine Gelegenheit." - "Ja, dachte ich mir. Wieviel haben sie dir drauf gelegt?" - "Nach dem Praktikum kann ich ihn wieder verkaufen." - "Wenn er dann noch heil ist." - "Na, toll!" Wütend schlug er mit der Faust auf die Fensterbank. Wieder eine neue Schiene. Sie zuckte nur wenig zusammen und nahm einen ersten Schluck. Der Tee schmeckte nicht. Zu wenig Blätter und zu lange gezogen.
Eine fast nicht zu stillende Sehnsucht danach, alles hinter sich stehen und liegen zu lassen, kam aus ihrer Kehle heraus. Raste als stechender Schmerz durch ihre Mundhöhle und sank dann doch wieder in die Tiefen ihres Körpers zurück. Hart setzte sie den Becher auf die Tischplatte, so daß etwas Tee heraus schwappte. Sie streckte einen Finger aus und malte drin herum. "Gut," sagte sie, "wie finanzieren wir das?" Er löste sich vom Fenster und setzte sich ihr gegenüber. Dafür gab es kein Geld, aber sie mußte ihren Kopf nicht mehr drehen, um ihn anzusehen. Konnte direkt in seine Augen sehen, als ließe sich durch sie hindurch auf den Grund seiner Seele schauen. Und das wog alles Gerede wieder auf. Sie schob ihre Hand quer über den Tisch und legte sie um sein Handgelenk. Versuchte ein Lächeln und schluckte alles herunter, was da aus ihrem Kopf ihren Stimmbändern zu sprechen aufgegeben war.
"Ich gehe ab nächste Woche Freitags zur Kleinschmidt putzen," sagte sie ruhig. Das war ihre Frauenärztin, für die sie schon einmal gearbeitet hatte und die sie vor einigen Tagen gefragt hatte, ob sie nicht wieder für sie arbeiten wolle. "Das hätte ich ohnehin getan," log sie weiter. "Und ich kann noch einen Abend bei Thorben dazu kriegen," ergänzte er. Was vermutlich ebenso gelogen war. Thorben war einer seiner Freunde, der eine Kneipe betrieb. An zwei Abenden ließ er dort die Luft aus den Gläsern. Und verdiente damit etwas, wenn er nicht zuviel nebenbei weg trank. Was zu oft vorkam. Sie nickte. "Okay." Stand auf, nahm den Becher und schüttete den Tee in den Ausguß. Er schaute zu. Ließ nicht erkennen, ob ihm das weh tat. Erst als sie die Küche verlassen hatte und in ihrem Zimmer auf dem Bett lagt, dachte sie darüber nach. Aber da war sie schon zu müde. Und in Gedanken dort, wo sie den Nachmittag verbracht hatte. Wo sie seit einiger Zeit zu viele Nachmittage verbracht hatte. Oder zu wenige, setzte etwas in ihrem Kopf hinzu.
Ein Mietshaus, etwas schäbiger als dieses, aber nicht sehr weit weg. Sie schloß die Augen und sah sich selbst unten vor dem Hauseingang stehen. Für ein oder zwei Sekunden schwebte ihr Finger dann immer über seinem Klingelknopf. Als könnte sie sich im letzten Moment doch noch einmal alles anders überlegen. Das tat sie nie, auch wenn sie es sich manchmal wünschte. Nicht lange, dann hörte sie das Summen des Türoffners und lehnte sich gegen die schwere Haustür. Die schon klemmte, als sie das erste Mal hier unten geschellt hatte. Drei Treppen ging es hoch, einen Fahrstuhl gab es nicht. Ein kahles, dreckiges Treppenhaus, in dem das Klappern ihrer Schritte laut wider hallte und wo es immer nach Essen und Urin roch. Aus den Fenstern schaute sie auf die Hinterfassade einer Fabrik. Dunkelrote Backsteinmauern, zwei Reihen blinder Fenster mit dünnen Metallstreben, eine graue Betonrampe mit leeren Paletten darauf. Dahinter die wenigen in den Himmel aufragenden Hochhäuser der Stadt. Auf dem ersten Absatz kümmerte eine große, graue Pflanze in einem Kübel vor sich hin. Jemand mußte sie gießen. Doch sie dankte es nicht, ihre Blätter wirkten auf sie wie die Zungen großer, vielleicht noch nicht toter Urzeittiere. Wenn sie an ihnen vorbei kam, ging sie automatisch schneller.
Seine Angewohnheit, nur die Wohnungstüre aufstehen zu lassen und in der Wohnung auf sie zu warten, ärgerte sie stets aufs neue. Auf dem Weg durch den schmalen Flur schluckte sie den Ärger herunter. Und das schlechte Gewissen. Und noch einiges andere. Wenn sie sein Lachen sah, lag das alles hinter ihr. Nicht sehr weit, aber weit genug, daß sie für eine Weile nur an ihn denken konnte. Seine Kraft, seine Unbekümmertheit, die sie haben wollte, ob er sie nun in Wahrheit hatte oder nicht. Er hatte sie nicht, das wußte sie, daher mußte seine Kraft reichen. Ihr Körper schrie so sehr danach. Die letzten Schritte rannte sie fast, rannte in seine Arme und schloß die Augen. Drückte sich an ihn und war für eine Weile nicht mehr einsam. Meistens lachte er. Über die Verlegenheit, die sich so gut wie immer in ihre Augen hinein stahl. Über ihren Aufzug, zumeist eine Mischung aus praktischen Kleidungsstücken und irgendeinem Detail, das sie sich für ihn ausgedacht hatte. Er mußte es dann erraten, und manchmal gelang ihm das nicht, und dann war sie traurig und ließ sich von ihm trösten und war anschließend doch glücklich, oder so gut wie. Seine Hände spielten mit ihren Haaren, ihren Armen, ihrem Leib. Und seine Lippen berührten sie, ausgiebig, ausdauernd, beinahe zart. Seine Augen schauten sie an, gaben ihr die Schönheit, nach der sie sich sehnte, und ein Gefühl von Freiheit und Stärke, als könnte sie doch noch alles erreichen, was sie bereits abgeschrieben hatte.
Danach zog er sie aus und fickte sie. Kein schlechter Tausch, fand sie, auch wenn sie sich Anderes und Besseres vorstellen konnte. Er war nicht sehr grob, obwohl sie ein wenig Grobheit durchaus gerne gehabt hätte, und auch nicht sehr zärtlich, was ihr noch lieber gewesen wäre. Er war lediglich so, wie er sein wollte. Das gefiel ihm, und sie gefiel ihm, was sie erheblich mehr als seine Zärtlichkeiten spürte. Und genau das zu spüren half über vieles hinweg. Gab ihr ein ganz eigenes Gefühl für sich selbst, das sie brauchte, dringender als so vieles andere. Sicherlich kein hervorragender Zug von ihr. Aber nichts, was sie ändern konnte oder wollte.
Danach lagen sie eng aneinander gepreßt auf seinem Bett. Schwitzend, lachend, irgendwelche Worte murmelnd. Sie liebte seine Stimme, wenn er zufrieden war. Dann sprach er langsam und eindringlich, ohne daß es fordernd klang. Und er achtete auf Einzelheiten. Daß sie ihre Haare anders geschnitten hatte. Einen neuen BH getragen hatte. Daß sie ihre Schamhaare gestutzt hatte oder ihr eine kleine, silberne Kette um den Hals hing. Mit der er dann spielte, als wäre es eine gemeinsame Erinnerung an schönere Zeiten. Oft spielte er auch mit ihren Brüsten, als wären sie ernsthaft der Rede wert. Zog an den Spitzen, küßte sie und schaute sie dabei begeistert an. Das tat ihr gut. Seine Begeisterung nahm sie mit sich wie eine Riesenwelle ein winziges Boot auf dem Ozean. Vielleicht der einzige und wahre Grund, daß sie immer wieder zu ihm kam. Denn viel reden tat er nicht mit ihr. Auch ihr fiel kaum etwas ein, das sie mit ihm reden konnte. Aber sie wollte auch nicht viel reden. Sie wollte seine Arme um sich fühlen und sein Gewicht auf ihrem Leib. Sie wollte Wärme und ein wenig Ruhe und ein paar Minuten helles Licht vor ihren Augen. Sie wollte seinen Schwanz spüren und seine Hände fühlen und seine Lippen küssen. Und dafür war sie bereit, ihm zu geben, was immer er von ihr wollte. Auch wenn sie nicht immer genau wußte, was er wollte. Vermutlich wußte er das selbst niemals ganz präzise.
Er stand dann irgendwann auf und machte ihr einen Espresso. Brachte ihn in einem der braunen Tässchen, die sie ihm ganz am Anfang geschenkt hatte, zum Bett herüber und schaute ihr zu, wie sie trank. Mit zwei, höchstens drei schnellen Schlucken. Sie lachte zu ihm hoch und er zu ihr herunter. Anschließend trat er ans Fenster und schaute nach draußen. Und sie bewunderte seinen Rücken und verfolgte jeden Reflex des Lichts auf seiner Haut, die dann beinahe silbern schimmerte, metallisch und hart. Das machte sie schnell wieder scharf. Auch wenn sie wußte, daß es nur eine Illusion war, fiel sie doch immer wieder darauf herein. Sie wollte Weichheit und Härte und konnte sich nie entscheiden, was ihr wichtiger war.
Seine Wohnung war kahl und ungemütlich. Auf einem Tisch an der Wand lagen oft kleine, farbige Pillen in verschieden großen Plastiktüten. Sie hatte nie danach gefragt, würde nie fragen. Große, beängstigende Bilder hingen an den weißen Wänden und zeigten bizarre, halbnackte Gestalten. Mit glänzenden Waffen in gewaltigen Preisringerarmen und blitzenden Krallen und grellweißen Reißzähnen standen sie kämpferisch in Alptraumlandschaften herum und schienen jeden Moment herauskommen zu wollen. In ein paar schiefen, unachtsam aufgestellten Regalen gab es haufenweise Comics und Taschenbücher und daneben auf zwei langen Tischen eine ganze Batterie Computer. Nachts spielte er, hatte er ihr einmal gesagt. Mit anderen Spielern irgendwo auf der Welt. Seltsame Spiele ums Töten und Überleben, ohne ein richtiges Ziel, nur einfach ums schiere Durchkommen. Die wenigen Jahre, die er jünger war, schlossen sie von dieser Welt komplett aus. Sie hatte fast Angst vor ihm, wenn er davon erzählte. Seine Backenknochen wurden dann hart, arbeiteten wie von selbst, während er sprach. Und seine Augen schienen ihr matt zu sein. Schwach und kaum mehr am Leben.
Das alles war unheimlich, falsch. Dennoch kam sie immer wieder. Sie wußte nicht genau, warum. Sex? Sicher, aber dazu war alles doch nicht gut genug. Erholung? Es war viel zu schwer für sie, die Zeit für ihn herauszuschinden, als daß es eine richtige Erholung für sie war. Abwechslung? Das hätte sie woanders einfacher und weniger beängstigend haben können. Es mußte doch etwas Besonderes an ihm sein. Manchmal wünschte sie sich, bei ihm zu bleiben. Einfach nicht wieder zu gehen und das Draußen niemals wieder auf sich nehmen zu müssen. Sie könnte ewig in seinem Bett liegen bleiben und nur warten. Er müßte alles für sie erledigen: sauber machen, einkaufen, kochen. Und sie schwebte dahin, eine Prinzessin, gefangen von einem Krieger in seinem geheimen Schloß.
"Wann mußt du wieder gehen?" fragte er. So unvermeidlich wie der Sonnenuntergang. Sie dachte schnell nach und sagte eine Zeit, die ihr gerade einfiel. Er nickte daraufhin. Lächelte und schaute zu ihr hinüber. "Du bist schön," sagte er weich und sie hätte am liebsten laut etwas Wildes gerufen. Oder etwas Verrücktes getan. Lächelte aber nur zurück. "Komm her," bat sie. Er schüttelte nur den Kopf. "Ich sehe dich gerne aus der Entfernung." Ein paar Sekunden schwiegen sie und sahen sich nur an. "Wie alles," murmelte sie, mehr für sich als für ihn. Aber er verstand sie dennoch. Legte eine Hand gegen die Fensterscheibe und schaute wieder hinaus. "Ja, ja, ja," machte er zornig, "genau - wie alles. Paßt dir mein Stil nicht?" - "Bitte hör auf damit!" - "Habe ich angefangen?" - "Komm doch her, bitte," bat sie wieder. Aber er kam nicht. "Warum quälst du mich?" fragte er lächerlich theatralisch in die Fensterscheibe hinein. "Ich?!" Ihre Stimme überschlug sich. Zorn kroch ihr durch den Leib, die Speiseröhre hinauf, in alle Glieder hinein. Er zuckte die Schultern, sie auch. Dann war es wieder vorbei. Momente der Ehrlichkeit konnten sie sich nicht erlauben. Das wußten sie beide und verstießen doch immer wieder gegen diese Einsicht.
Sie stand auf und ging hinüber in die Küche. Eher nur ein Teil des großen Wohnraumes, durch eine breite Arbeitsfläche davon abgeteilt. Sie zog sich eine der Schürzen um, die sie selbst gekauft hatte, und begann, Geschirr umher zu räumen und abzuwaschen. Sie wußte nicht mehr genau, wann sie das zum ersten Mal getan hatte. Das Chaos in seiner Wohnung hatte angefangen sie zu stören, der ganze Dreck, die wimmelnde Unübersichtlichkeit. Also hatte sie sich hingestellt und etwas dagegen getan. Das entsprach ihrem Naturell. Er fand es verrückt, gewöhnte sich aber schnell daran. Stellte sich oft hinter sie und griff, während sie abspülte oder einen Topf auskratzte, kichernd nach ihrem unter der Schürze nackten Leib. Drang manchmal mit seinen Fingern sowohl schmerzhaft als auch erregend in sie ein. Und irgendwann war das zu einem ihrer Rituale geworden. Einem, das ihnen beiden zu gut gefiel, als daß sie es jemals wieder ändern würden.
Auch seiner Wohnung bekam es gut, und ihr bekam es gut, und ihm schließlich auch. Obwohl er das nie zugab. Es machte sie nicht heimisch bei ihm, aber es nahm ihr einen Teil der Fremdheit, die sie die ersten Male hier gefühlt hatte. Außerdem liebte sie eine saubere Wohnung. Sie brachte ihn sogar dazu, seine Bettwäsche regelmäßig zu wechseln. Einmal hatte er sie in das Laken eingehüllt, als sie mit gespieltem Ekel darauf bestand, er solle sein Bett frisch beziehen. Hatte die vier Ecken des Bettlakens über ihr zusammen geknotet und sie einfach eine Weile so liegen lassen. Zuerst protestierte sie kichernd und prustend, doch dann begann sie die Wärme und Ruhe in ihrer engen Hülle zu genießen. Als sich ihre Hand schließlich in ihren Schoß verlor, löste er eifersüchtig die Knoten wieder und verhinderte weiteres. Aber danach bezog er das Bett fast immer frisch, bevor sie zu ihm kam.
Heute war nicht viel zu tun in der Küche, er hielt inzwischen selbst eine gewisse Form der Sauberkeit ein. Das amüsierte sie, denn noch vor kurzer Zeit hätte er nur ungläubig den Kopf geschüttelt, wenn sie ihm das prophezeit hätte. Sie zog die Schürze wieder aus und hing sie zurück an Ort und Stelle. War sich seiner Blicke dabei sehr bewußt, auch, als sie wieder ins Bett zurück kam und sich dort abwartend hinlegte. Geduldig, nackt, zart und verführerisch, wie sie hoffte. Denn ihrer Wirkung war sie sich nie ganz sicher. Er zauderte kurz, beäugte sie, aber folgte dann. Kam herüber, berührte sie, streichelte sie und schaute sie mit aller Liebe an, die in ihm verfügbar war. Und das war eine ganze Menge. Das umgab sie wie eine brennende Decke, wie Sonnenschein im Süden. Sie rollte sich für ihn herum, zeigte sich und wollte das so. Dann streckte er seine Hand aus, faßte nach ihr, hart und fest wie eine seiner brutalen Figuren. Nichts faßte je fester nach ihr. Ihr Leib fiel in seine Kraft hinein und saugte jeden einzelnen Schmerz wie den letzten Tropfen Wasser der Erde auf. Sie gab in allem nach. Wie schön es doch war nachzugeben und für ihn zu sein, nur eine Daune auf seinem Bett. In ihrem Kopf überstürzte sich alles und riß sie mit sich fort. Das war nicht ihr Körper, nicht die Beine und Arme, nicht ihr flackernd brennender Schoß. Das war mehr, viel mehr. Das war gut und richtig, mochte auch da unten in ihr eine wispernde Stimme anderes behaupten. Das hier war einfach nur gut. Gut, gut, gut, wie sie sich wiederholte und abermals wiederholte.
Wenn er fertig war, wartete sie noch ein paar Minuten. Schaute unter die Decke seines Zimmers oder gegen die Wand mit den vielen Büchern. Zu den Bildern schaute sie nicht. Er blieb starr, als lauerte er auf das, was sie als Nächstes tun würde. Das lähmte sie und brachte sie zugleich in die Wirklichkeit zurück. Stück für Stück rief sie sich vor Augen, was ihr Leben ausmachte. Ihr Zimmer, ihre Küche, ihre Arbeit, das Lachen und die Tränen in den langen Stunden bei Nacht. Ihr ganzes Leben. Und dann wußte sie wieder, was sie zu tun hatte.
Sie löste sich sanft von ihm, küßte seine leise zitternden Lippen, ging ins Bad und wusch sich dort gründlich und kleidete sich an. Stand erneut vor seinem Bett und schaute auf diesen Körper herunter, der sie wieder und wieder hierher locken würde. Prüfte seine Augen und fand so wenig darin wie immer. Und auch wieder so viel. Er war traurig, wenn sie ging, sie aber nicht. Kein Zustand für immer. Nur ein Moment der Klarheit, dem niemand Glauben schenken würde. Weder er noch sie - noch der Mann, der ein paar Straßen weiter auf sie warten würde.
Die Treppe hinunter lief sich leicht. Ihre Sohlen machten harte, strenge Geräusche auf den Stufen, die ihr jedoch ausnehmend gut gefielen. Sie lachte und kicherte und gab seltsame Laute von sich. Sie sprach noch zu sich selbst, als sie unten vor dem Haus das Rad von der Kette befreite, sich auf den Sattel schwang und in die Pedale trat. Dann beruhigte sie sich schnell. Das Fahren tat ihr gut. Sie mußte Kraft aufwenden, und sie tat das gerne. Die abendliche Luft schmeichelte ihr, sogar das feuchte Gefühl zwischen ihren Beinen war schön. Sie war nicht einsam, wenn sie so nach Hause radelte. Beide waren bei ihr, direkt und fast harmonisch. Da machte es auch nichts, wenn sie manchmal ein klein wenig beim Fahren flennte. Der Fahrtwind würde alle ihre Tränen längst getrocknet haben, wenn sie nach Haus kam.
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Labels: beschäftigung, soap

1 Comments:
Schön. Das les' ich meiner Süßen am Wochenende vor.
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